*doubts*

Januar 24, 2009 at 13:00 (Literatur, Werbewelt)

Well, well, well. Da hat sie’s tatsächlich geschafft, sich hinzusetzen und einen Anfang der Geschichte zu gebären. Und dann will L. ihn nicht lesen :o(

Was, wenn es ein großartiger Bestseller wird? So einfach willst Du die Chance vertun, der Erste zu sein, der die ersten Fragmente davon gelesen hat?

Hmm.

Aber er merkt etwas von „Erwartungshaltung“ an und dass er’s schon irgendwann lesen wird, nur nicht jetzt, weil jetzt müsse er Gitarre spielen und überhaupt will sie dann sicher seine Meinung dazu hören und ist voller Erwartungen und das ist ihm zu viel.

Oi. Und little Miss? Hm. Hurt.

So sehr, dass sie gleich mal 24 Stunden auf Abstand geht. Und ihre Mittagessenseinladung versäumt, weil sie ja nicht ans Internet kommt. Damn. Sorry.

Dafür bekommt sie in der Zwischenzeit schwesterlichen Besuch. Und das ist hübsch, denn es passiert nicht alle Tage, dass jemand das Resultat ihrer bescheidenen Kochkünste als „zum Niederknien“ bezeichnet. JEJ!

Und während little Miss Gassi geht, liest die Schwester den Text.

Miss Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaft kann schließlich fachlich fundiertes Feedback dazu geben.

Unglaubwürdig, zu kompliziert, da verrennst du dich in was. Man merkt dem Text an, dass Du zu lange darüber nachgedacht hast.

Scheint, als müsste little Miss noch ein bisschen Effort hineinputten. Immerhin mag die Schwester das Konzept. Und den einen Satz :o)

Aber es ist nunmal wahr, little Miss verarbeitet in ihrem Text sowohl Harold & Maude als auch Trainspotting. Und das hört man heraus. Die Frage ist nur: Ist das gut? Ist das gerechtfertigt? Darf man Werke, die einen beeindruckt haben, in seine eigene Arbeit miteinbeziehen? Denn, machen einen diese Dinge nicht irgendwo aus? Und: Ist eine neue Zusammenfügung bestehender Werke nicht ohnehin ein eigenes Werk? Schwierig, schwierig.

Und, was noch viel schlimmer ist, bei all diesem Feedback beschleicht little Miss ein böser Gedanke:

She might not be the best writer in the world. It might not be done with managing it to start. She might not be the perfect natural talent, but will have to put some more effort and sweat-inducing work in it – just like every other goddamn writer.

Ein Schock.

Vielleicht ist was dran daran, dass man seine Arbeit erst eine Weile wachsen und ruhen lassen sollte, bevor man sie jemand anderem zeigt. Auf der anderen Seite, wenn man den Anfang gleich in Ordnung bringt, funktioniert das Folgende vielleicht besser. Der Punkt ist nur: Sich hinsetzen und anfangen ist die eine Sache. Nochmal über seine Arbeit drübergehen, sich eingestehen, dass noch nicht alles 100 % perfekt ist und eventuelle Unstimmigkeiten ausbügeln – das verlangt ganz schön viel Motivation und willpower. Und die muss man ja auch erstmal auftreiben.

Apropos auftreiben, die Schwester bringt die Kontaktadresse für einen Job für die little Miss mit. Da will sich also jemand selbstständig machen und sucht noch eine/n Texter/in mit 2-4 Jahren Berufserfahrung. Und über die zwei Ecken hat man natürlich an sie gedacht. Hmm. Will sie sich darauf einlassen? Kann ein frisch selbstständig gemachter sie denn regelmäßig (und ausreichend) bezahlen? Hmm. Und wer ist er überhaupt?

Little Miss beschließt, sie sollte ihn zu einem Vorstellungsgespräch einladen.

Guten Tag, ich bewerbe mich um Sie als meine neue Texterin. Ich kann Ihnen ein attraktives Aufgabenfeld und ein Neid erweckendes Gehalt bieten. Sie würden mit einer Reihe netter, junger Leute zusammenarbeiten und bekämen ein großartiges Büro mit Blick auf den Naturschutzpark. Ob sie Ihren Hund zur Arbeit mitbringen dürfen? Natürlich! Wir alle wollten schon lange einen Bürohund!

Es geht doch nichts über Wunschdenken. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Wenn man schon bei seinen sonstigen Vorhaben nichts weiterbringt. Die Internetangebote zur Zeit sind lousy, und little Miss hats irgendwie nicht geschafft, sich aufzuraffen und die Eltern zu besuchen. Dafür bestellt sie vielleicht heute ihr Bücherregal? Na, wir werden sehen.

Schließlich muss man einen Platz einräumen für The Easter Parade.

Richard Yates erzählt flüssig (und verliert sich nicht wie little Miss in irgendwelchen Erklärungen). Bei ihm flowt das so locker flocker dahin. Und gerade, als du dich fragst, wieso ein Verleger beschlossen hat, dieses Buch herauszubringen, wendet sich das Blatt. Die eine hübsche Tochter hat plötzlich Riesenzähne und Schweißflecken unter den Armen (ACHTUNG: SPOILER) und ehe man sich’s versieht ist die einsame Mutter reif für die Klapse und hält sich für die Schwiegermama des Präsidenten. Die eine der beiden Schwestern hat ein ernsthaftes Alkoholproblem und die Scheinharmonie ist spätestens in dem Moment dahin, als sich herausstellt, dass ihr Mann sie seit 20 Jahren Ehe verprügelt. Und plötzlich wird gestorben.

Unvergessen auch jene Szene, in der Emiliy mit ihrem ersten Mann nach Hause fährt und er sich eine halbe Seite lang darüber auslässt, wie sehr er ihren Körper hasst.

Und little Miss kommt zu dem Schluss: Nein, dieser Richard Yates hat einfach kein Mitleid mit seinen Figuren.

(das sagen und schreiben alle Kritiker immer, sagt die Schwester, aber hey: little Miss ist da ganz allein draufgekommen!)

Anyway, a great novel. Schon allein dafür sollte man es heute hinkriegen, sich um ein Bücherregal zu kümmern. Wünscht ihr Glück.

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