*all by myself*

Februar 24, 2009 at 16:10 (ikea-lektionen, Literatur)

Samstag Nacht streiten L. und little Miss. Big time. Deswegen schnappt sie auch den Hund und wackelt gegen halb 5 Uhr morgens heim.

Und ist sauer.

Doch, Überraschung, ein Bruch im Muster! Als little Miss nämlich am nächsten Morgen als Abschluss einer langen Gassirunde Frühstück holt, tönt aus ihrer Manteltasche die heimlich ersehnte Hives-Melodie. Beim zweiten Mal, wieder zu Hause, geht sie auch ran. Es ist L. Und wow, er entschuldigt sich. Aber little Miss ist immer noch sauer. Da erzählt er von seinen Nachmittagsplänen. Wenn ihr langweilig wird, kann sie ja anrufen.

Macht sie aber erstmal nicht. Stattdessen schaut sie hinaus in das Schneetreiben. Sie liegt auf der Couch und fragt sich: Sonntagnachmittag. Und was nun?

Da klingelt schon wieder das Telefon. Es ist die Schwester, und little Miss soll bitte kommen und sie retten.

40 Minuten später besichtigt little Miss die neue Wohnung der Schwester. Niiice! Und nachdem sie die Couch das überdimensionale Klippan Sofa in seinen weißen Flauschi-mit-Wirbel-Bezug gepackt haben, steht das nächste Projekt an: Vika Tore.

Das soll dann also der Schreibtisch werden. Und weil es Lachgummi gibt sie gerade sonst nichts zu tun hat, hilft sie der Schwester und Liblühobä beim Zusammenbauen, die little Miss. Schraub, schraub, steck, steck, Lade fertig!

Nach anfänglichen Schwierigkeiten (der Abstand ist zu schmal, das kann ja nicht sein, ist die Schiene schief?) finden wir auch heraus, dass man die Laden einhängen muss – und fertig ist der Tisch mit dem Schubladenkästchen.
Victoire über Vika Tore!

Und die Schwester sagt: Im Vergleich dazu ist das Billy ja ein Kinderspiel. Jede Stunde bau ich Dir so eins! Klar schaffst Du das auch allein.

Und gestärkt von so viel positiven Ikea-Eindrücken wackelt little Miss durch den Schneesturm wieder heim. Der Hund wird ausgeführt, da ruft L. nochmal an. Er ist jetzt auf dem Weg zurück, soll er heimfahren oder little Miss besuchen und ihr beim Regal helfen? Aber sie ist immer noch sauer. Und kann ihm jetzt wirklich nicht sagen, ob sie ihn sehen will. Dann ruf mich an, wenn Du zu Hause bist, sagt er und legt auf.

Und little Miss macht sich lecker Essen und schaut Breakfast at Tiffany’s. Ganz allein. Dann ist es 11. Und weil der Film ja doch sehr romantisch war, ruft sie L. an. Aber er geht mal wieder nicht hin.

Also wirft sich little Miss wieder auf die Couch und schläft beim Hörspiel ein. Um 2 nochmal Gassi und dann ab ins Bett.

Und der nächste Tag? Das ist ein Montag. Und little Miss verspürt den mächtigen Drang, etwas zu tun. Dinge zu erledigen. Sachen gebacken zu bekommen.

Gassirunde, Frühstücken, Einkaufen, Wäsche abhnehmen. Und dann Möbel rücken. Wie eine kleine Ameise fühlt sich little Miss, als sie ihre überdimensionale gelbe Couch schnaufend und im Zeitlumpentempo durchs Zimmer schiebt. Aber: steter Tropfen hölt den Stein. Daher: Emsiges Meisi bewegt das Ungetüm.

Schnell noch drunter Staub saugen. Dann, ganz wie in der Anleitung, Decke unter- und Billy drauf flachlegen. Gut, vielleicht eher das, was einmal Billy werden soll. Aber: Ein guter Anfang. Dazu noch Musik. Little Miss dankt dem Püppchen im Stillen für die Mucke und – nach 3 Playlisten steht Billy!!!

Little Miss hats geschafft. Ganz alleine. Ohne Hammer. Und ohne Erwin.

18 Nägel hat sie in die papierdünne Rückwand geschlagen, während the motherfuckin‘ Hives aus den Boxen grölten. Danke, Schwedenpunk. Zwischendurch musste leider der eine Schraubenzieher dran glauben. Wer rechnet denn auch damit, dass der Griff innen hohl ist und plötzlich ein Loch bekommt, nur weil man damit ein bisschen rumhämmert. Aber mithilfe des anderen hat sie’s dann doch geschafft.

Gut, zwei Nägel sind schief und kommen im Regal wieder raus und das eine Schraubdings hält nicht, weil sie die Schraube nicht weit genug reingedreht hat – aber immerhin, das Regal steht und alle Bretter sind richtigrum und am richtigen Platz und alles. WOW-I. Da würde die Werklehrerin aus der Volksschule, die dämliche Kuh, die little Miss immer schikaniert hat, ganz schön schauen. Jawohl, LITTLE MISS GEHÖRT ZU DER SORTE MENSCHEN, DIE EIN BILLY-REGAL GANZ ALLEINE AUFBAUEN KÖNNEN. Ha! Von wegen: das wird brechen, wenn Du’s aufstellst. Ha!

Und, so gesehen, eigentlich ganz gut, dass L. nicht mehr ans Telefon gegangen ist. Sonst könnte little Miss sich jetzt nicht jedes Mal, wenn sie an ihrem Regal vorbeikommt denken: Das hab ich ganz allein geschafft!

Und da wär ihr ganz schön was entgangen. Ist nämlich ein verdammt geiles Gefühl. Selber auch mal was können.

Aber da läutet schon wieder das Telefon. Die Schwester verlangt nach ihr, Bettwäsche und ausgemustertes Gewand warten auf sie. Jej!

Nur noch schnell alle alle Bücher ins Regal stellen, damits nicht umfällt. Wobei, so schnell schnell geht gar nichts. Sonst kommt Narziß und Goldmund (*schmacht*) noch neben Feuchtgebiete – und das kann man wirklich nicht angehen lassen!!!

Aber als alle Bücher drin sind ist – oh Schreck – noch ganz schön viel Platz. Gut, das sind nur die Bücher, die little Miss in den letzten 17 Monaten gelesen hat, aber trotzdem. Sieht irgendwie leer aus. Little Miss braucht also mehr Bücher. *hint* *hint*

Gut, dass ihr die Schwester auch noch ein paar borgt. Die kann man ja auch – temporär – da reinstellen.

Jej, jej, literarische Nahrung! Es gibt:

*) Wolfgang Herrndorf: In Plüschgewittern

weil das Hörbuch offenbar doch wesentliche Teile der Geschichte auslässt und das Ende überhaupt ganz fehlt und little Miss ihm noch eine Chance geben will.

*) Sven Regener: Der kleine Bruder

weil man endlich wissen will, was zwischen Neue Vahr Süd und Herr Lehmann passiert und man sein einziges Exemplar, original vom Verlag in Berlin geholt, der Schwester zu Weihnachten geschenkt hat. Die sagt zwar, es ist etwas schwach im Vergleich, aber lesen wills little Miss trotzdem.

Und wisst ihr, was wirklich unfair ist? Da bringt man dieses verflixte Buch unbeschadet den ganzen Weg von Berlin bis Wien – und wenn man es sich dann ausborgen will, heißt es ganz panisch: Aber der Schutzumschlag!
Woraufhin die ebenfalls anwesende Mutti einen Überumschlag aus Zeitungspapier zusammenklebt, und ihn um das Buch wickelt, bevor sie’s little Miss aushändigt. Da fühlt man sich ja gleich wie ein kleines Kind, bei dem man immer aufpassen muss, was es mit seinen Butterfingern als nächstes antatscht und kaum hat man nicht hingesehen isst es tropfende Marmeladenbrote über wertvoller Popliteratur. Tzz. Wisst ihr überhaupt, mit wem ihr es hier zu tun habt?! Eben habe ich ALLEINE ein Regal zusammengebaut. Jawohl, ein nettes Heim für Bücher, in dem sie es gemütlich, sauber, sicher und trocken haben. Und da unterstellt ihr mir … also, es ist wirklich nicht zu fassen!

Ein Glück, dass sie mir

*) Annie Proulx – Brokeback Mountain

ganz ohne Sicherheitsvorkehrungen mitgeben. Naja gut, was kann das bisschen Marmelade den schwulen Cowboys schon anhaben? :o)

Auf der anderen Seite: Little Miss weiß noch gar nichts drüber, den Film hat sie bis jetzt nämlich ausgelassen. Ist aber eine gute Chance: Erst das Buch, dann der Film. So gehört sich das doch, oder?

Anyway. Sie kommt wieder heim und meldet sich doch bei L. Ob er nicht vorbeikommen mag, ihr helfen das Regal aufstellen (he he). Ja klar will er, erleichtert, dass sie nicht mehr sauer ist. Er bekommt nur noch kurz Besuch, dann will er sich auf den Weg machen.

Und während sie so wartet kriegt little Miss entsetzlichen Hunger und kocht lecker Spaghetti. Aus Versehen (oder Gewohnheit?) werden es dann doch zwei Portionen. Und gerade als sie ihren Teller und ihr Glas ins Zimmer trägt, läutet es. Pünktlich zum Essen, L.

„Wow, hey, das steht ja schon!“

:o)

Und alles ist wieder gut. Das perfekte Happy End. Das Regal steht, wir sind versöhnt und es gibt Spaghetti.

Jej!

Und dann entführt er sie zu sich nach Hause und zeigt ihr ganz stolz seine neue Lampe, die er in der Zwischenzeit, auch nicht faul, mit R.s Hilfe aufgehängt hat. Boah, ganz schön hell.

Am nächsten Morgen liest little Miss gleich nochmal In Plüschgewittern. Was hat sich Wolfgang Herrndorf nur bei der Überarbeitung fürs Hörbuch gedacht? War er betrunken??? Fun, der Standardsatz ist ja eigentlich angesichts des Films: Aber das Buch ist viel besser!

In diesem Fall trifft das auch auf das Hörbuch zu. Wie kann man (Achtung:Spoiler) dem Hörer vorenthalten, dass Erika stirbt?! Und ja, der Perspektivenwechsel zum Schluss wird in diversen Foren zwar als billiger Kunstgriff abgetan, aber dass er der Geschichte einen entscheidenden neuen Blickwinkel zukommen lässt, tut ihr durchaus gut, das kann man nicht leugnen. Wenn man es selbst liest, kommt das Ganze auch nicht ganz so grantig rüber. (Wobei es schon dauert, August Diehls Stimme aus dem Kopf zu bekommen. Das ist wie wenn man vorher den Film gesehen hat und sich keinen eigenen Hauptdarsteller mehr vorstellen kann, weil man immer den Schauspieler vorm inneren Auge hat). Little Miss hat sich kurz im Vorlesen versucht und ja, mag sein, dass das an den kurzen Satzkonstruktionen liegt, dass man tatsächlich bei der Betonung in dieses Staccato-Tempo reinkippt.

Das Buch hat jedenfalls einen seltsamen Effekt auf sie. Wer weiß, wie sehr es andere ekelt und wie sehr sie pissed sind wenn little Miss da draußen in der Welt etwas sagt? Vielleicht denkt L. auch so?

Sie lag da in meinem Bett und blinzelte faul gegen die Decke. Ich konnte sie nur kurz ansehen, dann musste ich mich wegdrehen, weil mir schlecht wurde.

So etwas verunsichert einen, ganz im Ernst. Auf der anderen Seite, wie ernst ist jemand (oder seine Meinung) zu nehmen, der von der perfekten Symmetrie der Badezimmerfliesen überwältigt ist?

Eines wird ihr bei all dem allerdings klar. Schluss mit Popliteratur, little Miss. Dieser Bezug zum Zeitgeist, zum Lebensgefühl ist zwar ganz schön und alles, aber kann nicht auch mal ein bisschen was passieren? Was Bewegendes?

Und nein, sie redet nicht vom Biertrinken! Und man kann auch ruhig etwas ansprechender fomulieren. Titten ist schließlich nicht das beste Wort auf der Welt.

Scheint, als bräuchte sie wirklich dringend ein neues GUTES Buch. Oder sie schreibt am eigenen weiter.

Wenn man nicht alles selber macht …

:o)

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1 Kommentar

  1. Kittynn said,

    Wenn du guten Lesestoff suchst würde ich dir „Der Fall Jane Eyre“ von Jasper Fforde empfehlen! Ein sehr sehr gutes Buch und auch die weiteren Teile (bis jetzt 4) kann ich uneingeschränkt empfehlen.

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