*reading: Swede*German*Austrian*

Januar 7, 2011 at 15:19 (Literatur)

Habe John Ajvide Lindqvists Roman „So finster die Nacht“ durch.

Sehr interessanter und mitreißender Erzählstil — selten so viele Perspektivenwechsel erlebt. Wie eine ganz neue Art, eine Geschichte zu erzählen …

By the way, Wikipedia ist in dieser Hinsicht ein elender SPOILER. Ein Glück, dass ich nicht vorher draufgeschaut hab. John Ajvide scheint dagegen ein wirklich spannender Mensch zu sein, siehe auch hier.

Zwei Fragen noch zu diesem Thema:

Erstens, wer übersetzt den schwedischen Titel „Låt den rätte komma in“ (international „Let The Right One In“) mit so etwas Nichtssagendem wie „So finster die Nacht“??

Wer?!

Und hat er Lob dafür bekommen?

Zweitens: Wie haben sich Eli und Håkan kennengelernt? Warum verrät es mir Herr Lindqvist nicht? Warum muss ich da im Dunkeln tappen?!

Mann, Mann, Mann. Habe jedenfalls heute Nacht, zwischen Kopfschmerz und Schlaflosigkeit, davon geträumt, weiterzulesen. Als hätte ich am Ende einige Kapitel übersehen.

Ist das jetzt ein gutes Zeichen für das Buch?

Ähnlich geht es mir mit Wolfgang Herrndorfs „Tschick“. Beweist einmal mehr, dass das Hörbuch von „In Plüschgewittern“ einfach verbockt wurde (nicht nachzuvollziehende Kürzungen, ein sehr grantig lesender August Diehl), und Herr Herrndorf ja eigentlich ein prima Autor ist.

Bis auf diese eine Sache.

Ich will immer wieder zum Buch greifen und wissen, wie es weitergeht. Wie wird das Treffen mit Isa, wie steht Tatjana in Zukunft zu Maik, sieht er Tschick wieder?

Und dann fällt mir ein: dammit, ich habe es ja schon ausgelesen. Und Herr Herrndorf lässt mich im Regen stehen mit meinen Fragen.

Verdammt, ich brauche Antworten!

Das neueste auf der Leseliste tröstet mich dagegen ein wenig. Mit einem hübschen Zitat:

„Früher bildete ich mir ein, Männer leichter ertragen zu können als Frauen, jetzt fangen sie an, mir auf die Nerven zu fallen. Frauen sind, so unangenehm sie sein können, doch viel individueller und weniger eitel. Außerdem kommt man mit ihnen (von Ausnahmen abgesehen) nicht in die peinliche Lage, dass sie plötzlich, mitten im Gespräch, anfangen, einem die Bluse aufzuknöpfen. Diese letztere Eigenschaft schätze ich an Frauen besonders.“ aus Marlen Haushofer – Die Tapetentür

Und noch ein Kommentar: Wir erinnern uns an Köhlmeiers Frau Professor Petri, mit dem einzigen wahren Grund ein Buch zu lesen? Nun, auf „So finster die Nacht“ — und wahrscheinlich generell auf Horrorliteratur — trifft diese Behauptung ganz und gar nicht zu. Vielmehr möchte man der Realität entfliehen, sich in Abgründe hinabgleiten lassen, die man im wirklichen Leben nicht mal mit dem Arsch anschauen würde.
Oder der Autor lässt sich einfach gehen — impossible is nothing — überhaupt in der Phantasie — und spinnt und ersinnt sich seine eigenen Welten — und hat dann auch noch das Glück, dass es Leute gibt, die gerne lesen, was er sich da zusammenspinnt.

Beneidenswert.

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1 Kommentar

  1. Schwester said,

    mag auch! auch alles lesen! borgtsie mir lieber sowas als tommy jaud! BTW: jetzt mussie sich den film anschaun zu „Låt den rätte komma in“ – der ist großartig und hat mich ja überhaupt erst aufs buch-verschenken gebracht! :)

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