*read-in*

Juli 19, 2011 at 00:13 (Errungenschaft, Literatur)

done … and … done! Wenn mich jemand fragt, ob ich 2 Bücher in nur 4 Tagen lesen kann, dann kann ich voller Stolz sagen: Yes, I can!

Sedaris war heftig. Wobei ich das Gefühl nicht ganz loswerde, dass wahrscheinlich nur seine Schwester Gretchen bzw. die restlichen Familienmitglieder wirklich alle Anspielungen verstehen. Vielleicht auch nur er selbst. Und manchmal hab‘ ich mir einfach gedacht, ich bin ein zu zart besaitetes Gemüt für eine solche Lektüre.

Am besten hat mir noch die Geschichte mit der Maus und der Schlange gefallen. „A rescue snake. Rescued from a world without her love.“ Weil es einfach ein schräger Gedanke ist, als Maus eine kleine Schlange durchzufüttern und dann vor Mama Kröte und Mama Maulwurf rechtfertigen zu müssen, wo denn ihre Kinder abgeblieben sind.

Abgesehen davon, dass es ziemlich heftig war, hat es mir dann aber doch ganz gut gefallen. So gut, dass ich es schade finde, dass ich es in die Bücherei zurückbringen musste. Ich hätte es später gern nochmal gelesen. Naja, ich kanns ja wieder ausborgen.

Ich habe jetzt nämlich — ta-ta-ta-taaaa — eine Büchereikarte. Yay! Und mir gleich jede Menge Bücher mitgenommen. Scheint, als müsste meine mentale Liste noch ein bisschen warten. Muss nämlich vor 18. August noch fünf andere Bücher lesen. Und Hörbuch hören ;o) Herrje, bin ich beschäftigt!

Zusätzlich hat mir die Schwester auch noch 2 Bücher mitgegeben. Nämlich unter anderem den 2. Teil der Knecht-Kolumnen — „So geht das! Wie man fidel verspießert“. Hab ich schon durch :o) Ich muss mein Anfangsstatement revidieren, wenn es darauf ankommt, kann ich in einer Woche durchaus 4 Bücher lesen. Wenn man „Der kleine Angsthase“ mitzählt, das ich immerhin dreimal vorgelesen habe, sind es eigentlich fünf, aber dazu später mehr.

Knecht hat mir — nochmal — gefallen :o) Einzig, diese Einstellung zu Hunden (und zu Stöckelschuhen) kann ich nicht ganz teilen. Aber sonst, sehr spaßig, diese Kinder. Stört mich auch nicht, dass da plötzlich so oft Kinder vorkommen, so ist das wohl eben, wenn man Eltern wird. Aber kann schon sein, dass sich die langjährige Kolumnenleserschaft von dem abrupten Relaunch der „Marke“ Knecht vor den Kopf gestoßen fühlen. Well, macht euch nicht ins Hemd. Das Leben geht nun mal weiter. Und wer nicht mitgeht, der bleibt auf der Strecke.

Jetzt grade hab ich auch schon das nächste Büchereibuch durch. Das ist ja wohl wirklich esoterisch zu mir gekommen. Hätte das nicht einfach genau an diesem Tag da gestanden und diesen interessanten Titel gehabt … ich hätte es wohl nie entdeckt.

Und das ist wieder interessant, denn die Autorin kommt ebenfalls aus dem hohen Norden, und wo es mich bei Herrn Lindqvist  noch so unglaublich aufgeregt hat, dass sie den Titel bei der Übersetzung geändert haben, so sehr find ich es bei diesem Werk angebracht. Denn das Buch hätte unter dem Originaltitel „Jonas Eckel“ niemals meine Aufmerksamkeit erregt. So aber, wenn da plötzlich ein Buch im Regal steht, auf dessen Rücken „Also, von mir aus“ zu lesen ist, dann macht mich das neugierig. Wäre wirklich interessant zu wissen, ob die norwegischen Leser eher auf den Originaltitel anspringen.

„Also, von mir aus“ ist eine mitreißende Lektüre, nicht nur, weil Autorin Karin Fossum sonst eher als Krimiautorin bekannt ist. Es ist einfach faszinierend, den weiblichen Hauptcharakter, der den deutschen Titel des Buches als Antwort auf einen Heiratsantrag gibt, nur durch die Augen des männlichen Ich-Erzählers zu sehen. Wenn man so drüber nachdenkt die Höllen-Vorstellung von Sartre in „Huis Clos“. Die Hölle, das sind die anderen — oder auch, sich nur durch die (oder in den) Augen der anderen zu sehen.
Und Frau Fossum macht das gut, sich in ihren männlichen, etwas eitlen Erzähler zu versetzen, der immer hofft, jemanden zu treffen, der das besondere Licht sieht, das ihn umgibt. Jonas Eckel, der viel auf nonverbale Kommunikation gibt, den es amüsiert, die Reaktionen seiner Mitmenschen auf seinen Namen so beobachten — eine hochgezogene Augenbraue, ein interessierter Blick — und sich dann doch beeilt, „Eckel mit ck“ hinterherzuschicken und so die Vorstellung des „Ekels“ abzuschwächen.

Ein Mann, der Ordnung schätzt, pragmatisch und konservativ denkt, und sich nach dem Blick über den Tellerrand, einer Reise in unbekannte Gefilde, dann doch wieder nach seiner Arbeit als Lagerleiter, nach dem nie versiegenden Strom von einzusortierenden Toastern und Serviettenhaltern sehnt.

Ein Mann, der so einfach gestrickt ist, dass ihm die Launen seiner etwas einfältig dargestellten Frau immer mehr zum Mysterium werden.

Hat er verstanden, dass sie ein Mensch ist? Vielleicht. Doch er sieht sie mehr als Kind, als jemanden, den er nie ganz ernst nehmen kann. Hauptsächlich ist sie seine Frau, vor allem, weil er eine haben wollte. Eine, die seine ist, die er besitzt, bis dass der Tod sie scheidet. Doch „Liebe, das muss man wollen“ ist die Lektion, die er lernt. Was für ein großer Abgrund zwischen ihm und jemandem, der auf einen Heiratsantrag mit „Also, von mir aus“ antwortet.

Manchmal spüren wir, dass seine Frau ihn hasst. Lillian, diese sich wandelnde, dem Likör zugeneigte Frau, die stundenlang Modezeitschriften betrachtet und dann doch bei der Heilsarmee einkauft, die sich vor dem Computerkurs versteckt, zu Hause verkriecht. Sich in der heißen portugiesischen Sonne nicht zurechtfindet und dann so plötzlich Feuer für den Goldenen Mann fängt. Der Goldene Mann ist bestimmt nicht Jonas Eckel, denn „Jonas Eckel ist nicht ganz so, wie er sein sollte“. Auch wenn ihn diese Nachricht zu spät ereilt.

Doch ganz schlau werden wir aus Lillian bis zum Ende nicht. Auch Jonas fragt sich, warum sie nicht geht, wenn es ihr denn nicht gefällt.

Sie kann nicht. Sie wüsste nicht wohin. Kann sich selbst nichts vorstellen; ihr Leben nicht selbst in die Hand nehmen. Und Jonas weiß das, und aus lauter Wut über ihre Unselbstständigkeit entwickelt er Freude daran, sie durch seine bloße Anwesenheit zu quälen. Auch er könnte ihr sagen, dass sie gehen soll. Wählt aber dann doch einen anderen Weg — der dem Leser den Teppich unter den Füßen wegreißt.

Man merkt, ich bin noch ganz aufgewühlt. Aber ich freu‘ mich so, wieder ein Buch gefunden zu haben, das mich bewegt. Und dank dem ich etwas über mich selbst lerne.

„Da lag nun meine Frau im Hotel, ließ sich aber nicht benutzen. Wozu soll das gut sein?“

Diesen Gedanken hätte ich einem männlichen Autor wahrscheinlich schwer angekreidet. So aber, mit dem Wissen, dass das eine Frau geschrieben hat, die damit lediglich den Charakter der Hauptfigur stärker zeichnet, ist es für mich auf eine seltsame Art leichter zu akzeptieren, dass manche Männer einfach so denken. Verrückt, oder?

 

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